Wind und purer Teamgeist: TSR Olympia Wilhelmshaven stürmt das Freibad-Triathlon in Bokeloh

Es sind genau diese Tage, an denen Sportgeschichten geschrieben werden. Tage, an denen nicht nur die Uhr gegen einen läuft, sondern auch der Wind, die Technik und die eigenen Zweifel. Beim traditionsreichen Freibad-Triathlon in Bokeloh trat die Triathlon-Sparte des TSR Olympia Wilhelmshaven mit einem ungewöhnlich starken Aufgebot an: Vier Frauen und sechs Männer machten sich auf den Weg, um die niedersächsische Liga aufzumischen. Was sie erlebten, war ein Wechselbad der Gefühle – und ein Paradebeispiel für echten Zusammenhalt.

Schon die Anreise war ein logistisches Meisterwerk: Sechs Athleten, zwei Fahrzeuge und ein perfekt ausgetüfteltes Puzzle aus Rennrädern. Doch die eigentliche Herausforderung wartete vor Ort. Während der Himmel zwischen Schauern und Wolken schwankte, peitschte ein unbarmherziger, starker Wind über die flache Landschaft rund um das Bokeloher Freibad. Da der Start beim Schwimmen im beheizten Becken in sechs Wellen mit jeweils 20 Minuten Abstand ausgetragen wurde, stand den Wilhelmshavenern, die geschlossen in der vorletzten Welle ins Wasser geschickt wurden, ein langer, intensiver Tag bevor. Die Wartezeit wurde standesgemäß genutzt: Teamfotos in allen Variationen und scherzhafte Diskussionen darüber, ob eine Extra-Energiezufuhr mittels Currywurst und Pommes der Performance wohl zuträglich wäre.

Pünktlich zum Startschuss vertrieb die Sonne die Wolken – das Signal für den TSR, das Wasser im Freibad zum Kochen zu bringen. Auf den 700 Schwimmmetern zeigten die Wilhelmshavener ihre Extraklasse: Jan Pieter Ehlert stieg als schnellster TSRler aus dem Becken, dicht gefolgt von Lars Meyer-Hagg, der seine eigene Marschzeit deutlich unterbot. Bei den Frauen feierte Sandra Junge einen emotionalen Meilenstein: Nach überstandenen Rückenproblemen verließ sie ihre Bahn sensationell als erste Frau. Auch Birte Kühnhold biss sich durch und bezwang ihre alten Bokeloh-Ängste, nahm aber ein wichtiges Learning mit: „Ich hätte mir beim Überholen einfach mehr zutrauen müssen!“

Auf der Radstrecke zeigte Bokeloh mit harten Steigungen und peitschendem Gegenwind seine Zähne. Für Hauke Theiler wurde die Fahrt zum puren Willensakt: Seine elektronische Schaltung versagte komplett und verharrte stur im schwersten Gang. Mit einer mörderisch niedrigen Trittfrequenz von nur 19 Umdrehungen pro Minute kämpfte er sich die Hügel hinauf – und sicherte sich trotz des Defekts die sechstbeste Radzeit des Tages. Weniger Glück im Detail hatte Lars Meyer-Hagg: Er verlor beim Aufsteigen seine Trinkflasche und musste unter den Augen des Kampfrichters eine Vollbremsung hinlegen, um einer Strafe wegen Umweltverschmutzung zu entgehen – ein Manöver, das wertvolle Körner kostete. Während Martin Möde den anspruchsvollen Kurs als perfekte, harte Standortbestimmung im Saisonaufbau nutzte, bezwang Sandra Junge die windigen Abfahrten trotz kleinerer Schaltprobleme mit Bravour.

Der abschließende Lauf über vier Runden mobilisierte die letzten Reserven. Jan Pieter Ehlert lieferte sich auf den finalen Metern einen packenden Zielsprint und konterte den Angriff eines Konkurrenten aus Schwarme erfolgreich aus. Eine absolute Willensleistung zeigte Stine Gründler: Unabhängig von der Platzierung feierte sie eine enorme Leistungssteigerung auf dem Rad und lief auf den 5 Kilometern zu einer neuen persönlichen Bestzeit. 

Das wahre Herz des TSR: Die Rookies

Abseits von Zeiten und Platzierungen lebte der Tag vom Spirit der Debütanten. Julia Großklaus und Julien Neil feierten ihre Triathlon-Premiere. Für Julia zählte dabei nur das Teamerlebnis: „Ich habe mich im Team total gut aufgehoben gefühlt, das hat mir viel Sicherheit gegeben. Eine richtig schöne Erfahrung, die Lust auf mehr macht!“

Am Ende bewies der TSR Olympia Wilhelmshaven, dass man als Einheit jede Hürde nimmt. Während der Blick schon nach vorn geht – etwa für Lars Meyer-Hagg, der im August beim heimischen NordseeMan wieder Vollgas geben will –, bleibt die Vorfreude auf das nächste gemeinsame Abenteuer.

Text: Marcus Kröpelin
Bild: Hauke Theiler; von “12 Uhr” ausgehend: Martin Möde, Julien Neil, Christian Bruns, Sandra Junge, Jan Pieter Ehlert, Julia Großklaus, Hauke Theiler, Birte Kühnhold, Stine Gründler, Lars Meyer-Hagg